Fenders Kabarett- und Musikseite

Seit mehr als 20 Jahren schreibe ich Gedichte. Eigentlich nur für mich. Nun habe ich mich entschlossen, eine kleine Auswahl auf der Homepage zu veröffentlichen. Vielleicht sind sie eine Anregung, nachzudenken und eigene Worte zu finden.

 

Freiheit

 

 

 

 

 

ein tag auf dem markt

   

 

Kirche

   

Christchurch lernt laufen (nach dem großen Erdbeben)

festtag der sinne

verführungen hilflos erliegen

augen, die kosten

nasen, die wittern

ohren, die wachen

hände, die prüfen

gaumen, die wissen

 

ein tag auf dem markt

 

oase der freude und lust

seele voll hunger und duft

ein netz voller schätze

 

ein tag auf dem markt

 

Dein feierliches Sonntagsgeläut

wie Totenglockenklang

Deine festlichen Lieder

wie Requiemsgesang

Deine Prozessionen und Wallfahrten

wie ein letztes Geleit

 

Hey, Christchurch, New Zealand,

hast dich nicht abschütteln lassen

wie ein lästiges Insekt

als 2011 tektonische Platten

eine neue Lage suchten.

 

Hey, Christchurch, New Zealand,

hast dir Arme und Beine gebrochen

aber nicht das Genick

als du über Trümmer stolpertest

wie nach durchsoffener Nacht.

 

Hey, Christchurch, New Zealand,

hast dich nicht beerdigen lassen

als die Straßen aufsprangen wie Gräber

und unter dem Turm der Kathedrale

Mensch und Gott erschlagen wurden.

 

Hey, Christchurch, New Zealand ,

erhebst sich gerade aus dem Staub

noch etwas benommen und fremd

bringst deine Kleider in Ordnung

und lernst wieder laufen

 

 

 

Schon vor dem Tod

   

 Finden

   

 Gedankengänge

Schon vor dem Tod

an das Leben glauben,

nicht ablassen.
 
Lernen,
sich selbst umarmen
mit dem Nächsten fühlen
und sich in Gott bergen.
 
Staunen,
das Wandlungen von Brot
und Verwandlung der Herzen möglich sind
und jeden Hunger stillen
 
Begegnungen  nicht 
auf Fotos bewahren
Drei Hütten nicht
zu Wallfahrtsorte erklären
und Gott nicht 
zwischen Zeilen verbergen
 
Schon vor dem Tod
um das Leben beten.
 
Den Kopf hochnehmen
und mit gestärktem Rücken
der Angst widerstehen
 
Den Spiegelblick aushalten 
und in altbekanntem Gesicht 
mich neu erkennen
 
Den Atem anhalten
und mit schweigender Stimme
Trost verschenken
 
Das Herz ausschütten
und es an unsichtbarer Quelle 
wieder auffüllen
 
In Liebe loslassen
und mit suchender Hand
vorsichtig Halt finden
 

Auf den Wegen

zwischen den Feldern

Worte an den weiten Himmel werfen

 

Auf den Wegen

zwischen den Feldern

Gedanken in den grauen Grund gehen

 

Auf den Wegen

zwischen den Feldern

Gräser mit taufrischen Tränen tränken

 

Auf den Wegen

zwischen den Feldern

Angesicht auf Pfützenspiegeln aushalten

 

Auf den Wegen

zwischen den Feldern

Frieden in Freudensprüngen feiern

 

Morgen nahe Nizza

Symphonie der Vögel und Flügelschlag zwischen Bäumen
Crescendo der Flieger und Abflug tief über Dächer 
Toccata des Windes und tanzende Blätter an Ästen
Trommeltakt der Räder und eiserne Fahrt an der Küste 
Overtüre des Tages und Kaffeeduft zwischen Zelten
Mehrklang der Glocken und Gottferne auf Erden