Fenders Kabarett- und Musikseite

Statement zu Kirchenkabarett „Kirche könnte so schön sein…“ von Dieter Fender, Gemeindereferent im Erzbistum Paderborn seit mehr al 30 Jahren, zur Zeit im Pastoralen Raum Witten und im Hospiz St. Elisabeth, verheiratet, zwei Kinder, geboren 1958 in Anröchte, und auch noch Liedermacher und Gitarrist, sowie leidenschaftlicher Gott-Sucher

 

Als vor sechs Jahren die Zusammenarbeit mit einem strategischen Unternehmensberater, der den Vorsitz eines Pfarrgemeinderates übernommen hatte, einfach nicht funktionieren wollte, weil ich seine Strategie nicht verstand und er meine kritischen Fragen nicht, wurde ich zum Kabarettisten. Ich schrieb mir meinen Ärger in satirischen Texten von der Leber, trug diese an fremden Orten vor, erntete Lachen und Anerkennung. Das Publikum hoffte auf mehr, und ich wollte es nicht enttäuschen. Mir tat diese Therapie gut und dem Erzbistum ersparte sie teure Supervisionskosten. Mein Thema hatte ich ja bereits gefunden. Die Kirche des Evangeliums war schon in den Händen der Gemeindeberater, Coaches, Supervisoren und Strukturentwickler. Sie leisteten ganze Arbeit und bedruckten vor allem Hochglanzbroschüren mit Milieustudien, Block- und Tortengrafiken, Konzepten und Strategien. Sie zwangen und zwingen die Gemeinden in Konzeptentwicklungsprozesse und Gemeindeanalysen. Bald verloren diese Gemeinden ihren Namen, hießen nur noch Pastoralverbünde, dann pastorale Räume und in der Evangelischen Kirche Gestaltungsräume. Das diözesane Adressenverzeichnis liest sich mittlerweile wie eine Mitteilung aus dem Touristenbüro: Pastoralverbund „An den Ruhrseen“ oder „Paderborn-Süd-Ost-Dahl“. Das sind Äußerlichkeiten aber sie machen mir deutlich, wie Kirche ihre Kontur verliert. Sprache ist nicht beliebig. In ihr steckt die Seele eines Inhaltes. Wird nicht in einem Pastoralen Raum der Pfarrer schnell zum Raumpfleger? Wo bleibt der Heilige Boden, auf dem es einem die Schuhe auszieht, weil die Begegnung mit Gott einen Menschen mit der Kraft eines Feuers ergreift? Wie drückt sich Gemeinde als Beziehung von Menschen aus, denen keine Höhen und Tiefen des Lebens unbekannt sind? Immer schneller dreht man sich in der Kirche um sich selbst. Gefährlich, denn man kann abgeworfen werden. Und wer will auf ein so tollgewordenes Karussell aufspringen? Ich bin nicht für zielloses Drauflosarbeiten in den Gemeinden. Ich glaube auch, dass es gut ist, dass so manches verschwindet, was sich überlebt hat und das die Säulen der Gemeinde endlich erschüttert werden. Mir macht es einen Riesenspaß, dem Publikum den Spiegel der Gemeindekuriositäten vorzuhalten. Ich habe aber meine Zweifel, ob die Optimierungswerkzeuge der Berater taugen, die Zukunft für den Glauben zu gewinnen. Wenn ich das auf der Bühne satirisch auf die Spitze treibe, geschieht so etwas wie Osterlachen. Die Menschen spüren, dass es mir nicht darum geht, die Kirche zu beschädigen, mich über Papst und Bischöfe selbstherrlich lustig zu machen. Ich bin eher ein Narr, der entlarvt und zum Nachdenken auffordert. Ich bin kein Besserwisser und weiß, dass die Verantwortlichen in der Kirche es auch nicht sind. Aber sie tun noch viel zu oft so, als wären sie es. Die glänzende Beraterwelt hilft ihnen dabei und vermittelt den Eindruck, man habe alles im Griff. Doch der Heilige Geist steht kopfschüttelnd daneben und fragt: „Darf ich nicht mehr wehen, wo ich will?“ Ich will ihm mit meiner kleinen Kunst Mut machen. Und beide setzen wir unsere Narrenkappe auf.

 

 

Veröffentlicht im Sinnstifter Magazin

Schön war´s in Leipzig

Wird mal Zeit für einen Rückblick auf den Katholikentag in Leipzig. Ich war ja dort, weil ich eingeladen wurde, auf den Kabarettbühnen zu spielen. Ich bin, froh, dass ich dabei sein durfte. Es passte alles gut zusammen. Mein Zeltanhänger stand auf dem Campingplatz am Auensee ziemlich stadtnah. Ein Platz, den ich nur empfehlen kann. Große Rasenstellflächen, ordentliche Sanitäranlagen und eine Bushaltestelle direkt vor dem Eingang, von wo aus man in die Stadt fahren konnte. Meine Tochter war mit dabei und hat einiges gefunden, was sie während des Katholikentreffens besucht hat. Freunde waren in der Stadt und es gab schöne Begegnungen.
Leipzig ist ein tolle Stadt, ein Besuch lohnt auf jeden Fall. 35.000 Katholiken über mehrere Tage zu beherbergen und zu ertragen, ist schon eine Herausforderung. Die Leipziger haben das gut gemeistert. Eine freundliche und offene Bevölkerung gab sich als gute Gastgeberin.
Drei Auftritte habe ich gespielt. Den ersten auf der Bühne in der Pfeffermühle, dem zweitältesten Kabarett Deutschlands. Da ist man als Katholik versucht, die Bühne mit einer Kniebeuge zu betreten. Tolle Betreuung durch die Betreiber, Geduld bei einigen Missverständnissen und ein angenehmes Zusammenspiel mit dem Kollegen Heribert Lehnert und der Kollegin Ulrike Böhmer sowie Tobias Petzoldt, machte es einem Novizen wie mir leicht. Natürlich schlotterten mir die Knie und mancher Text verschwand im celebralen Nirwana. Aber es ging gut. Applaus von einem aufmerksamen Publikum.
Der zweite Akt fand auf der Bühne der academixer im Schatten des Uniturmes statt. Wieder war die Hütte ausverkauft. 35 Jahre ist das Kabarett alt, eine von fünf großen Bühnen in Leipzig. Ich bin dankbar, hier zu Gast gewesen zu sein.
Den Abschluss gab es dann im neobarocken Gewand des Salle de Pologne. Mit 6 Acts bestritten wir den Abend, der natürlich unter dem Vorzeichen des Todes von Micki Wohlfahrt stand. Wir alle hatten das Gefühl, für ihn mitzuspielen und die Menschen zum Lachen zu bringen, gegen alle Trauer. Zum Abschluss dann sein Lieblingslied "Du bist Kirche" mit allen auf der Bühne und im Publikum. Gänsehaut und Tränen und die Gewissheit, wir haben das so gut gemacht.
Gepackt hat mich auch der Vortrag von Tomasz Halik, einem tschechischen Priester und Religionsphilosophen. Ich empfehle die Lektüre seiner Bücher, wenn man entdecken will, wie man in einer entchristlichen Gesellschaft als Kirche weitermachen kann.

 

Bei Kolpings in Castrop Rauxel

Der erste Auftritt nach dem Katholikentag führte mich am 3.6. nach Castrop-Rauxel. Der dortige Kolpingbezirk hatte mich eingeladen. Die sind dort sehr erfahren, was das Kirchenkabarett betrifft. Die Organisation war perfekt. Alles strahlte eine Ruhe, Gelassenheit und großen Charme aus. Bemerkenswert fand ich eine große Gruppe von jungen Menschen, ein Anblick, den ich in der Kirche nur noch selten habe. Es hat Spaß gemacht, dort auf der Bühne zu stehen und für etwa 100 Personen zu spielen und zu singen. Zugaben wurden gefordert. Das hat man doch gern als Künstler. Ich hätte Spaß, noch viel mehr solcher Abende mitzugestalten

 

In Hemer, fast vor der Haustür

Guter Start nach den Sommerferien. 120 Menschen hatten sich im Gemeindesaal unter der Kirche in Hemer eingefunden. Ein schattiger und fast kühler Ort an einem heißen Sommertag. Erstmals hatte man zum Kirchenkabarett geladen und mit viel Hingabe alles bereitet. Hat riesig Spaß gemacht!

2017 hat gut begonnen

War zu Beginn des neuen Jahres "Auf der Hegge". Religionslehrerinnen- und lehrer am Berufskolleg hatten mich gebucht. Habe eigentlich ausgepowerte, des Berufes überdrüssig gewordene Frauen und Männer erwartert. Aber nichts davon. Ein waches, humorvolles Trüppchen saß vor mir. Es war ein Spaß, für sie zu spielen.

 

Ebenfalls im Januar spielte ich in Wallenhorst bei Osnabrück. Sollte schom im vergangenen Jahr dort auftreten, was aber eine ausgewachsene Grippe verhinderte. Spielort war der Festsaal einer Gaststätte, Veranstalter die KAB. Selten habe ich eine solche Professionalität erlebt. Eine Bühnentechnik vom Feinsten und ein Publikum mit dem ich jede Minute genossen habe. Davon hätte ich gerne noch mehr.

 

Erstmals an der Elbe gespielt

Ich habe noch gar nichts über die tolle Begegnung mit der Katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus in Mühlberg an der Elbe erzählt. Dort war ich eingeladen, Kabarett für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu spielen. Und das im Speiseraum eines ehemaligen Klosters der Zisterzienserinnen. Übrigens auch mit Hilfe des Bonifatiuswerkes in eine großartige Begegnungs- und Bildungsstätte verwandelt. Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft und Offenheit der Frauen und Männer und von der Lust katholisch zu sein in einem Landstrich, wo man mit dem Bekenntnis relativ allein bleibt. Vielen Dank für die Einladung und den schönen Abend an der Elbe.